Die Makrofotografie
Die heutige Fotografie hat sehr viele Facetten. Ein davon ist die Makrofotografie, ein Spezialgebiet der Naturfotografie. In diesem kleinen Artikel möchte ich Ihnen diese Art der Fotografie etwas näher bringen. Ich gebe dabei einen Einblick in die Ausrüstung, den Workflow sowie die Nachbearbeitung der Bilder am Computer.
Die Aussagen in diesem Bericht beruhen auf meinen Erfahrungen im Umgang mit der Kompaktkamera Fuji s9600 sowie der DSLR Canon 40D.
Wenn Sie Fragen zu dem Artikel haben, können Sie mir diese über das Kontaktformular stellen oder melden Sie sich im Makro-Forum(externer Link) an, wo jede Menge kompetente Hilfe wartet.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundlegendes
Auch in der Makrofotografie gibt es verschiedene Techniken, um an ein perfektes Bild zu kommen. Ich distanziere mich aber von solchen Methoden, die den Insekten Schaden zufügen. Der Makrofotograf bewegt sich stehts in der Natur und sollte darauf achten, so wenig wie möglich Schaden anzurichten.
Ansonsten finde ich es sehr beruhigend, wenn man sich vor Sonnenaufgang in die Natur begibt und auf Motivsuche geht. Hinzu kommt, dass man die Insekten näher kennen lernt und mit der Zeit immer besser bestimmen kann. Dabei steht einem Pareys Buch der Insekten(externer Link) zum Anfang als treuer Helfer zur Seite.
Mitlerweile liegt mein Hauptinteresse bei den Libellen. Ein sehr gutes Bestimmungsbuch ist der Field Guide to the Dragonflies of Britain and Europe(externer Link).
2. Ausrüstung
Allgemein
Makrofotografie kann mit vielen Kameras betrieben werden. Ich selbst habe mit einer Kompaktkamera angefangen, bevor ich zur Spiegelreflexfraktion gewechselt bin. Entscheidend ist, dass nötige Zubehör zu haben, damit auch die entsprechenden Abbildungsmaßstäbe erreicht werden können.
Zudem befindet sich der Fotograf hinter der Kamera, es ist wichtig, schon vorher zu wissen, wie man sein Motiv ablichten möchte, das Bild entsteht im Kopf.
Objektiv
Das wichtigste ist das Makroobjektiv. Hier gibt es sehr große Unterschiede, gerade im Hinblick auf Kompaktkameras, bei denen es nicht möglich ist, wie bei Spiegelreflexkameras, das Objektiv zu tauschen.
Als Alternative gibt es sogenannte Achromaten, die man vor das vorhandene Objektiv schrauben kann. Diese Optiken bestehen aus zwei Linsen und sind damit von der Qualität und Abbildungsleistung den einfachen Nahlinsen überlegen, aber auch dementsprechend teurer. Die Achromaten gibt es mit unterschiedlichen Dioptrie-Werten. Je höher dieser ist, desto größer ist der Abbildungsmaßstab. Gleichzeitg verringert sich aber der Arbeitsabstand zum Motiv, in dem man scharfstellen kann. Bei einem 2-Dioptrien Achromaten hat man ungefähr 50cm Abstand zum Motiv, bei 4-Dioptrien sind es nur noch 20cm.
Die Besitzer einer DSLR-Kamera greifen zu einem echten Makroobjektiv, dass bis zu einem Maßtab von 1:1 abbilden kann. Nennenswert ist hier das Sigma 150mm F2,8 EX DG HSM(externer Link) Makroobjektiv, welches auch im Makro-Forum(externer Link) sehr beliebt ist. Es gibt auch Objektive mit weniger Brennweite. Hier gilt, je geringer die Brennweite ist, desto kürzer ist auch der Arbeitsabstand.
Allgemein werden drei Klassen unterschieden, die Objektive von 50-60mm, 90-105mm und 150/180mm Brennweite. Welches Objektiv für Sie das richtige ist, hängt stark von ihrem Einsatzzweck ab. Die Objektive ab 105mm Brennweite haben den Vorteil, dass oft schon eine Stativschelle im Lieferumfang enthalten ist. Diese ermöglicht das einfache Umstellen von Hoch- auf Querformat und umgekehrt in wenigen Sekunden. Für die Arbeit mit selektiver Schärfe sowie Pflanzenfotografie ist das Tamron AF 90mm 2,8 Di Macro 1:1 SP zu empfehlen. Fotografieren Sie gerne freihändig, kann das Canon EF 100mm 1:2.8L IS USM mit Bildstabilisator überzeugen. Daneben stellen auch Teleobjektive eine gute Alternative dar. Das Canon EF 300mm 1:4L IS USM hat beispielsweise einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:4, gleichzeitig aber einen minimalen Abstand von 1.5m zum Objekt. Dies ist besonders bei Tages- und Flugaufnahmen von Vorteil.
Stativ
Für die perfekte Schärfe ist eine stabiles Stativ unerlässlig. Dieses sollte zudem flexibel sein, damit auch in bodennähe und schwierigem Gelände gearbeteitet werden kann.
Für den Einsatz mit meiner Kompaktkamera habe ich das Slik Sprint Pro GM verwendet. Es war klein, leicht und flexibel, allerdings auf unwegsahmen Gelände sehr instabil. Daher musste ich mir für meine Canon 40D ein neues anschaffen.
Ich konnte relativ günstig ein gebrauchtes Uni-Loc 1600 Stativ ergattern. Derzeit besitze ich ein Uni-Loc Major System 1220. Die Stative werden in England gefertigt und sind durch ihre Flexibilität sowie Robustheit ideal für die Makrofotografie. Falls Sie mehr über die Stative erfahren wollen, kann ich meinen Artikel dazu empfehlen. Weitere interessante Stative sind z.B.:
- Manfrotto 055XProB
- Benro Stative
- Berlebach Holzstative
Eine gute Übersicht existierender Stative mit allerhand Bildmaterial gibt es auf Stativfreak.de(externer Link).
Es lohnt sich aber auch, das Stativ einmal stehen zu lassen und freihand zu fotografieren. Besonders am Tage, wenn die Insekten sehr aktiv sind, kann der Stativeinsatz schnell zur Behinderung werden.
Stativkopf
Es gibt verschiedene Arten von Stativköpfen. Für die Makrofotografie würde ich einen Kugelkopf empfehlen, da sie sehr flexibel und schnell einzustellen sind. Auch hier sollte nicht am falschen Ende gespart werden, denn der Stativkopf ist das Teil, welches die Kamera fest in Position halten muss. So kann eine schlechte Friktion (Was ist Friktion(externer Link)) bei der Aufnahme sehr frustrierend sein. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Kugel flüssig läuft, um möglichst feinfühlig die Perspektive einstellen zu können.
Mein erster Kugelkopf war der Benro KS-0(externer Link). Dieser besaß drei Knöpfe, einen für die Panoramafunktion zum Drehen des Kopfes um 360°, einen für die Friktion sowie einen zum Feststellen. Im Zusammenspiel mit der Fuji s9600 war dieser vollkommen ausreichend, doch mit dem Erwerb einer Spiegelreflexkamera musste auch dieser ersetzt werden. Nun nutze ich den Cullmann Magnesit 35Nm(externer Link). Ebenso wie der Benro besitzt er drei Einstellknöpfe, ist aber mit einem Gewicht von 990gr mehr als doppelt so schwer.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Stativköpfen ist die Schnellwechseleinheit, um einfach von Hoch- auf Querformat zu wechseln oder die Kamera vom Kopf zu entfernten. Hier hat sich das Arca Swiss-System bewährt. Der Benro hat ebensolches und auch der Castel-Q Einstellschlitten von Novoflex unterstützt dieses System, so dass die Kombination optimal zusammenpasst. Der Cullmann Kopf bringt eine eigene Schnellwechseleinheit mit sich, daher ist man nicht ganz so flexibel, aber der Castel-Q lässt sich auch dort problemlos befestigen, so dass beim Umstieg keine zusätzlichen Teile benötigt werden.
Ebenfalls sehr gute Köpfe sind der Arca Swiss Monoball Z1 und der Novoflex ClassicBall 5.
Zubehör
Für die Makrofotografie gibt es sehr viele nützliche Dinge, die einem die Arbeit erleichtern. Zu nennen sind dort Fernauslöser, Einstellschlitten, Diffusor sowie Reflektor und ein Staset zum fixieren von Gräsern, falls es mal ein bißchen windiger ist.
Der Fernauslöser ist ein weiterer Indikator für scharfe Bilder, alternativ kann auch der Selbstauslöser verwendet werden. Je nach Kameramodell gibt es unterschiedliche Arten von Fernauslösern.
Bei der Fuji S9600 ist es ein Kabelfernauslöser mit einem Bowdenzug, der in ein Gewinde am Auslöser geschraubt werden muss. Sowohl einfacher zu handhaben als auch flexibler sind dabei Infrarotauslöser, die es für viele DSLR-Kameras gibt. Bei Spiegelreflexkameras kommt noch die Spiegelvorauslösung bei kurzen Verschlusszeiten hinzu, damit die Schwingungen beim Spiegelschlag nicht die Aufnahme beeinflussen.
Für die perfekt platzierte Schärfe gibt es Einstellschlitten. Ich selber nutze den Novoflex Castel-Q. Damit ist es problemlos möglich, den exakten Fokus millimetergenau zu setzen. Dies macht sich besonders bei Aufnahmen mit einer Kompaktkamera & Nahlinse bezahlt, da hier, im Gegensatz zu einer DSLR-Kamera mit einem echten Makroobjektiv, nur in einem bestimmten Abstand zum Motiv scharf gestellt werden kann. Auch DFF-Aufnahmen (Was ist DFF(externer Link)) gelingen damit kinderleicht.
Doch nicht nur für die perfekte Schärfe gibt es Zubehör, so kann mit der Hilfe von einem Diffusor und Reflektoren in den gestalterischen Prozess eingegriffen werden. Besonders bei direktem Sonnenlicht lohnt sich das Abschatten mit einem Diffusor, da so unschöne Reflexe und harte Kontraste vermieden werden können. Mit einem Reflektor werden dagegen dunkle Körperpartien aufgehellt.
3. Workflow
Meine Makrotouren starten meistens früh morgens bevor oder gerade wenn die Sonne aufgeht. Der Vorteil dabei ist, dass viele Insekten noch "schlafen", wodurch einem für die Aufnahme allgemein mehr Zeit bleibt, da sie sich kaum bis garnicht bewegen. Ein weiterer Vorteil, der einem auch Abends zur Verfügung steht, ist, dass durch die auf- bzw. untergehende Sonne sehr schöne Lichtsituationen entstehen können. Nun aber zur eigentlichen Aufnahmesituation.
Nachdem ich meine Ausrüstung zur Aufnahme vorbereitet habe, nähere ich mich vorsichtig dem Insekt und platziere meine Stativ. Um bei der Aufnahme schon die bestmögliche Qualität zu erreichen, nehme ich im RAW-Format (Was ist RAW(externer Link)) auf. Dies erleichtert mir die spätere Bearbeitung am Computer, da ich fundamentale Eigenschaften wie den Weissabgleich bequem in der RAW-Entwicklungsumgebung einstellen kann.
Für die Aufnahme selbst nutze ich bevorzugt den Blendenvorwahlmodus. Bei der Fuji musste ich für höhere Blendenzahlen als 8 in den Modus "Manuell" wechseln.
Bei der Gestaltung hat man viele Möglichkeiten. Man sollte immer verschiedene Perspektiven probieren und auf die Speicherkarte bannen, denn nur so hat man am Ende eine ordentliche Auswahl an Bilder und kann sich die besten raussuchen. Als vorteilhaft hat sich erwiesen, Blendenreihen zu machen.
Ist man mit einem Motiv fertig, geht es wieder auf die Suche nach einem neuen. Dabei lasse ich meine Kamera auf dem Stativ, so dass ich beim nächsten nicht erneut meine Ausrüstung aufbauen muss. Mit der Zeit entwickelt man, so habe ich es bei mir festgestellt, ein sehr gutes Auge für Insekten und entdeckt oft schon aus einigen Metern Entfernung größere Tiere.
4. Nachbearbeitung der Bilder am PC
Der hier beschriebene EBV-Workflow führt die einzelnen Schritte bis zum fertigen Bild auf, behandelt diese aber nur oberflächlich. Die EBV ist ein sehr wichtiges und mächtiges Instrument, um das Beste aus seinem Bild heraus zuhohlen. Allgemein gilt aber, mit so wenig wie möglich Bearbeitung auszukommen. So sollten z.B. großflächige Stempelarbeiten ebenso vermieden werden wie starke Ausschnittsvergrößerungen. Noch vor der eigentlich EBV steht das Überspielen der Bilder auf die Festplatte. Hier sollte man sich eine geeignete Ordnerstruktur überlegen, um schnell bestimmte Bilder wieder zufinden oder man benutzt geeignete Archivierungsprogramme.
Lightroom
Zum Sichten der Bilder sowie zur RAW-Entwicklung benutze ich Adobe Lightroom. Hier stelle ich den Weissabgleich manuell ein und nehme, falls nötig, eine Belichtungskorrektur vor. Doch Lightroom bietet noch viel mehr. Neben einer umfassenden Entwicklungsumgebung kann man seine Bilder wunderbar katalogisieren, mit Stichworten versehen, in einer Diashow präsentieren oder in eine Webgallerie integrieren.
Photoshop
Mit einer Kopie, die die Lightroom Anpassungen beinhaltet, arbeite ich in Adobe Photoshop CS3(externer Link) weiter. Zunächst nehme ich eine Tonwertkorrektur vor, dadurch kann man auch eventuell vorhandene Farbstiche beseitigen. Danach wird das Bild geschärft, hier kommt die Software Nic Sharpener Pro(externer Link) zum Einsatz. Falls es nötig ist, wird das Bild noch einmal mit dem Photoshop-Plugin von Neat Image (Was ist Neat Image(externer Link)) entrauscht.
Wie man sieht, umfasst die Raw-Entwicklung bei gutem Ausgangsmaterial nur wenige Minuten.
Nach dem Bearbeiten in Photoshop geht es nun wieder in Lightroom weiter. Hier habe ich jetzt zwei verschiedene Versionen meines Bildes. Eines mit den Lightroom Anpassungen und das komplett bearbeitete Bild. Dieses exportiere ich in das verlustfreie TIFF-Format (Was ist TIFF(externer Link)) mit einer Farbtiefe von 16-Bit.
Auch wenn die Dateien dadurch sehr groß werden, hat man gegenüber von verlustbehafteten Formaten wie JPEG (Was ist JPEG(externer Link)) enorme Vorteile. Zusätzlich zur Tiff-Datei speichere ich die RAW-Files in einem Backupordner, um das Foto später eventuell erneut entwickeln zu können. Da heutzutage externe Festplatten recht billig sind, sollte dies auch kein Problem mehr darstellen
